Das Vortragsprogramm 2010
LebensART - Art des Lebens
Kultur als Lebenselixier von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung
Welche Rolle spielt Kultur im Leben von Menschen mit Behinderungen? Welche Chancen und Möglichkeiten bietet Kultur für Persönlichkeitsentwicklung, Freizeitgestaltung und Integration? Um diese Fragen dreht sich das diesjährige 38. Martinstift-Symposion. Dabei werden die Aspekte Alltagskultur, Kulturproduktion und Teilhabe am kulturellen Leben gleichermaßen beleuchtet.
Als
ReferentInnen erwarten wir ausgewiesene Fachleute und PraktikerInnen der Behindertenhilfe aus Österreich, Deutschland und Litauen.
Achtung!Zum ersten Mal findet das Martinstift-Symposion heuer
im Brucknerhaus Linz statt.
Termin der Veranstaltung ist
Freitag, 8. Oktober
Alle Vorträge und ReferentInnen
Mag. Dr. Reinhard Skolek, St. Pölten/Wien
Heilung, Kreativität und innere Bilder
Heilung, Ganzwerdung ist ein lebenslanger Prozess, eine lebenslange Auseinandersetzung. Sie spielt sich zwischen inneren Bildern, angeborenen seelischen Strukturen und wichtigen Ereignissen sowie Beziehungen zu Menschen ab. Woher kommen die inneren Bilder? Wo führen sie uns hin? Wie können sie sichtbar und begreifbar gemacht werden? Das Traumverständnis und die Aktive Imagination C.G.Jungs bieten Möglichkeiten die inneren Bilder zu erleben, zu gestalten und zu verstehen.
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Prof. Dr. Saskia Schuppener, Leipzig
Kreative Kulturarbeit als Basis der Weltaneignung für Menschen mit Behinderungserfahrungen
Um Menschen mit Behinderungserfahrungen ein Mehr an gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen, müssen insbesondere über den Weg der inklusiven Kulturarbeit, des kreativen Miteinanders und der Eröffnung alternativer künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten Chancen der Gemeinsamkeit entstehen. Kulturelle Partizipation kann die Basis einer Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt sein. Durch kreative Aktivität können biografisch relevante Behinderungserfahrungen bearbeitet und transparent gemacht werden. Daher sollte diese Form der Beschäftigung eine zentrale Rolle im Lebensalltag von Menschen mit dem Etikett einer „geistigen Behinderung“ spielen.
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Prof. Angelica Bäumer, Wien
Entdecken und Fördern
Bei jedem Menschen gilt es die ihm innewohnenden Talente und Begabungen zu entdecken und mit Sorgfalt und Verständnis von Elternhaus und Schule zu fördern. Das gilt auch in ganz besonderem Maße bei Menschen, deren Begabungen oft durch ihre geistige und/oder psychische Behinderung gehemmt und versteckt sind, die ihre Wünsche und Sehnsüchte nur schwer oder garnicht selbst ausdrücken können. Seit Leo Navratil in Gugging die zeichnerische Begabung einiger seiner Patienten entdeckt hat, ist es auch in anderen psychosozialen Institutionen und Einrichtungen Standard geworden, die Talente der ihnen anvertrauten Menschen zu entdecken und zu födern. Dabei sind beachtliche Begabungen offenkundig geworden und durch die Einrichtung von Ateliers, durch kluge Förderung und professionelle künstlerische Leitung sind aus anonymen Patienten selbstbewusste Künstlerinnen und Künstler geworden, deren Arbeiten in Ausstellungen gezeigt, privat und öffentlich gesammelt und teilweise mit internationalen Preisen gewürdigt werden.
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Mag.a Margarete Salaberger, Gallneukirchen
Der Wert des Alltäglichen
Der Alltag, das Alltägliche - eine Selbstverständlichkeit in unserem Leben. Zu banal oder zu monoton für eine spezielle Auseinandersetzung mit diesem Thema?
Bedeutungslos ist das Alltägliche für niemanden von uns. Für Menschen mit Beeinträchtigung nimmt aber der Ablauf des täglichen Lebens einen besonderen Stellenwert ein, er gibt Orientierung und Sicherheit, beeinflusst die persönliche Motivation und Entwicklung, ermöglicht soziale Beziehungen und Kommunikation.
Der Beitrag soll dazu anregen, auf die vielen verschiedenen Facetten des Alltäglichen bewusst hinzuschauen und hinzuspüren: Welche Gewohnheiten, welche unreflektierten Rituale, welche Werte bestimmen unseren Alltag? Woran orientieren wir uns bewusst und unbewusst? Können wir aktiv unseren Alltag gestalten oder "werden wir gestaltet" - von vielen unauffälligen Einflussfaktoren, die uns nicht oder nur nebenbei bewusst sind? Wie können Menschen mit Beeinträchtigung selbst erkennen und ausdrücken, nach welchen Interessen und Werten sie sich richten wollen, wie ihr Alltag aussehen soll?
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Prof. Dr. Reinhard
Markowetz, Freiburg i.Br.
Teilhabe an Freizeit, Bildung und Kultur
Menschen mit Behinderungen auf dem Weg mitten in die Gemeinden, Städte und Regionen
Inklusion ist ein soziales Netzwerk, das alle Bürger einbezieht und niemanden mehr durch die Maschen fallen lässt. Inklusion postuliert die Teilhabe aller Menschen an Gesellschaft und Kultur als ein Grundrecht! Im Dezember 2006 wurde deshalb die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in New York unterzeichnet. Damit wurden fundamental die Forderungen nach einem selbstbestimmten Leben und nach voller gesellschaftlicher Teilhabe für behinderte Menschen als Menschenrechte festgeschrieben.
Damit alle Menschen ein Leben mitten in der Gemeinde, in einer "Stadt und Region für Alle" führen können, muss sich die Gesellschaft mit ihren Einrichtungen und Angeboten genauso öffnen wie das komplexe System sämtlicher Hilfen. Unterstützung in Form persönlicher Assistenzen und materieller Erleichterungen ist deshalb dort zu gewähren, wo der einzelne Mensch mit Behinderung sie braucht, um dann "mittendrin" sein zu können, wenn er das will.
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle Freizeit, Bildung und Kultur im Leben von Menschen mit Behinderungen spielt, ob und wie sich die Teilhabechancen durch Gemeinwesenarbeit erhöhen lassen und welchen Beitrag die Behindertenhilfe zu leisten hat, damit Inklusion nicht länger als eine unerreichbare Vision bezeichnet werden muss.
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Mag. Gita Šapranauskaitė, Rumšiškės/Litauen
"Zurück in die Gesellschaft durch Kultur"
Im Vortrag wird ein Projekt vorgestellt, das die Gutakademie des Museums in Rumsiskes in der Kooperation mit der Kommunalen Verwaltung von Kaisiadorys Bezirk in Litauen im Zeitraum von 1999 bis 2009 durchgeführt hat. Die Hauptidee des innovativen Projektes liegt in der Verwendung und Gestaltung des Museums als einen kulturellen Raum für soziale Rehabilitation der Menschen mit Behinderung. Durch Kultur- und Handwerksangebote konnte die Integration und Offenheit für Menschen mit Behinderung in Litauen sehr positiv gefördert und beeinflusst werden. Das Motto "Ich bin zurück" – zurück in Bildung, in Arbeit und Tätigkeit, zurück im Leben – konnte in diesem Projekt gut umgesetzt werden.
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Maren Röse, Hamburg
Kulturhaus Bienenkorb – Kultur- und Freizeitangebote nicht nur für, sondern auch von Menschen mit Behinderung
Die Kultur- und Freizeitarbeit des Rauhen Hauses hat sich in den vergangenen 18 Jahren vom kleinen Kulturtreff Knöterich zum stattlichen Kulturhaus Bienenkorb entwickelt. Das Kulturhaus bietet behinderten Menschen einen leicht erreichbaren Ort, an dem sie ihre Freizeitinteressen, außerhalb des Bereichs Wohnen und Arbeiten, entwickeln, ausprobieren und so selbst bestimmt wie möglich erleben können. Hieraus hat sich ein vielfältiges und nutzerorientiertes Programm entwickelt, welches im hohen Maße von Menschen mit Behinderung selbstorganisiert wird.
Mit den Veranstaltungen im Kulturhaus Bienenkorb soll kein neuer Sozialraum geschaffen, sondern die Besucher mit Behinderung gestärkt werden, sich eigene soziale Räume und Kontakte zu erobern. Das Kulturhaus versteht sich als ein Teil kultureller Angebote in der Region. Durch vielfältige gemeinsame Veranstaltungen in der regionalen Nachbarschaft und durch das Nutzen gemeinsamer Kultur- und Freizeitangebote, sollen insbesondere die Akzeptanz behinderter Menschen und nicht zuletzt auch die Inklusionsfähigkeit des Stadtteils verbessert werden.
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Alexandra Puchner / Gabriele Stanger, Hagenberg i.M.
KARUBA – eine Insel zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Inszenierte Fotografie von MitarbeiterInnen der EDV-Werkstätte
Hagenberg des Diakoniewerkes. Im Rahmen eines Projektes, das
Alltagserleben und künstlerische Ausdrucksweisen gleichermaßen
einbezog, gestalteten Menschen mit Beeinträchtigung fotografische
Wunsch- und Traumwelten, deren Mittelpunkt sie selbst bilden.
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